Piktogrammketten

Anfang November 2025 wurde in Melle-Mitte mit der Aufbringung sog. Fahrrad-Piktogramme begonnen. Diese Piktogrammketten wurden im Radverkehrskonzept vorgeschlagen, um die Sicherheit für Radfahrende zu erhöhen wo bauliche Maßnahmen nicht oder nicht kurzfristig umsetzbar sind.

Was sind Piktogrammketten?

Piktogrammketten sind auf der Fahrbahn aufgebrachte Fahrrad-Symbole (nach § 39 Abs. 7 StVO), die meist am rechten Fahrbahnrand öffentlicher Straßen zu finden sind – ohne Richtungspfeile. Sie machen sichtbar, dass sich an dieser Stelle Radfahrende und Kraftfahrzeuge die Fahrbahn teilen.

Die wiederkehrenden Symbole weisen Autofahrende auf den Radverkehr hin und erinnern daran, besondere Rücksicht zu nehmen. So tragen Piktogrammketten dazu bei, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden zu stärken – vor allem dort, wo kein eigener Radweg vorhanden ist. Kraftfahrzeuge und Motorräder sollen sich die Fahrbahn mit den Radfahrenden teilen – das nennt man Mischverkehr.

Piktogrammketten ersetzen keine baulichen Radwege, stellen aber ein schnell umsetzbares Instrumentarium zur Verbesserung der Verkehrssicherheit dar.

 

Vorteile von Piktogrammketten

Fördern den Mischverkehr:

Sie machen deutlich, dass die Fahrbahn von allen Verkehrsteilnehmenden gemeinsam genutzt wird. Das Rechtsfahrgebot bleibt dabei selbstverständlich bestehen, ebenso der gesetzlich vorgeschriebene, seitliche Überholstand von 1,5 m. Es hat sich zudem gezeigt, dass sich durch Piktogrammketten das unerlaubte Befahren von Gehwegen deutlich reduziert.

Stärken die Akzeptanz des Radverkehrs:

Radfahrende fühlen sich in ihrem Recht auf Straßennutzung bestärkt und als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmende wahrgenommen. Für Kraftfahrende ist sichtbar, dass ihnen die Fahrbahn nicht alleine vorbehalten ist.

Flexibel einsetzbar:

Besonders geeignet sind Piktogrammketten für Straßen, die zu schmal für Schutzstreifen oder bauliche Radwege sind. Sie lassen sich kurzfristig und kostengünstig realisieren.

Verbesserte Sicherheit:

Piktogramme erhöhen die Sichtbarkeit von Radfahrenden und sorgen für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr – auch bei begrenztem Platzangebot.

Rechtliche Grundlage:

Seit März 2025 erlaubt das Land Niedersachsen offiziell den Einsatz von Piktogrammketten. Sie bieten eine einfache Möglichkeit, den Radverkehr sichtbar und sicherer zu machen, sollen aber keine dauerhafte Alternative zu hochwertigen Radverkehrsanlagen darstellen.

Erlass des Landes Niedersachsen zu Piktogrammketten (PDF)

Wissenschaftlich belegte Wirkung:

Eine gemeinsame Studie der Bergischen Universität Wuppertal und der Technischen Universität Dresden (2021) zeigt:

Wo Piktogrammketten eingesetzt werden, fahren Autofahrende rücksichtsvoller und überholen Radfahrende deutlich häufiger mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern.

Hierzu wurde das Forschungsvorhaben „Radfahren bei beengten Verhältnissen – Wirkung von Piktogrammen und Hinweisschildern auf Fahrverhalten und Verkehrssicherheit“ von der Bergischen Universität Wuppertal und der Technischen Universität Dresden im Jahre 2021 erstellt. Das wissenschaftliche Forschungsvorhaben wurde gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).

v.l. Ortsbürgermeister Plaß, Stadtbaurat Schmeing, Bürgermeisterin Dettmann

Umsetzung in Melle-Mitte:

Mit der Aufbringung von Piktogrammketten wird in Melle-Mitte begonnen, danach folgen die weiteren Stadtteile. Im Radverkehrskonzept der Stadt Melle nehmen Piktogrammketten eine zentrale Rolle ein – sie gehören zum sogenannten Meller Standard. Damit sollen sie künftig gezielt eingesetzt werden, um den Radverkehr sicherer und sichtbarer zu machen.

Technische Umsetzung:

Die Piktogramme bestehen in der Regel aus haltbarer Thermoplastik, einem speziellen Kunststoff, der mit einem Gasbrenner auf die Asphaltoberfläche aufgebracht wird. Dieses Verfahren sorgt für eine langlebige und gut sichtbare Markierung. In Melle-Mitte werden derzeit mehrere Straßen mit solchen Piktogrammketten ausgestattet.

Zum Radverkehrskonzept der Stadt Melle:

Zur Pressemitteilung der Stadt Melle:

Piktogrammketten fördern den Dialog:

Der plumpe Vorwurf, Radfahrende würden mit einfacher und billiger Malerei auf der Fahrbahn abgespeist, statt hochwertige Infrastruktur zu schaffen ist nicht zielführend, da sich die Anlage einer adäquaten Radfahrinsfrastruktur aufgrund beengter Verhältnisse oder anderer Hemmnisse nicht und schon gar nicht kurzfristig überall realisieren lässt. In solchen Fällen stellen Piktogrammketten eine schnell umsetzbare und kostengünstige Zwischenlösung dar. Keinesfalls sind Piktogrammketten als endgültiges Allheilmittel anzusehen. Sie stellen immer nur einen Kompromiss dar. In jedem Fall sorgen Piktogrammketten für Diskussionen und diese sind ausdrücklich gewünscht, denn sie rücken den Radverkehr in den Fokus der Öffentlichkeit.